Mittwoch, 12. Juli 2017       Susanne Papadopoulos      

Handy-Starrer vereinsamen nicht

Studie findet: Nutzer von digitaler Kommunikation sind zufrieden

Das Vorurteil sagt: Die Leute starren nur noch in ihre Mobilgeräte und reden nicht mehr miteinander. Das wollte der Medienpsychologe Dr. Tobias Dienlin von der Universität Hohenheim genau wissen und befrage in einer repräsentativen Stichprobe deutsche Internetuser.
2.448 gingen ein, 460 Antworten konnten ausgewertet werden, da die User soziale Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp etc. nutzen.

„Das Ergebnis hat auch uns überrascht“, erklärt Dr. Dienlin. „Aber unsere Daten geben keinerlei Hinweise auf negative Effekte der digitalen Kommunikation. Sie zeigen vielmehr, dass die Kommunikation über soziale Netzwerke und Instant Messenger auch direkte Gespräche zwischen den Menschen verstärkt. Und darüber hinaus geht die Nutzung sozialer Netzwerke auch mit einer leicht erhöhten Lebenszufriedenheit einher.“

Die Vorgehensweise war so: Zweimal mit einem halben Jahr Abstand fragten die Wissenschaftler, wie häufig man mit engen Freunden, Bekannten und Familie – außer Partner und Arbeitskollegen – aktiv kommuniziert. Die Befragten gaben dabei jeweils eine Selbsteinschätzung zu ihrem Kommunikationsverhalten über soziale Netzwerke, Instant Messenger und im direkten Gespräch ab. Die Betrachtung der Forscher beschränkte sich bei den digitalen Medien auf die aktive Nutzung; passives Lesen von Nachrichten oder 
Ansehen von Videoclips blieben außen vor.

„Bei einigen der Befragten veränderte sich in den sechs Monaten das Nutzungsverhalten“, berichtet Dr. Dienlin. „Deutlich sind zwei Trends: Wer viel über soziale Netzwerke kommuniziert, nutzt später nicht nur mehr Instant Messenger, sondern führt auch mehr direkte Gespräche. Und die meisten, die bei der ersten Befragung viel über Instant Messenger kommunizieren, nutzen später mehr soziale Netzwerke.“

Digitale Kommunikationskanäle regen also offenbar die Kommunikation an. „Sie können als Kommunikationsinitiator fungieren“,  so der Experte. „Bei keinem der drei Kommunikationswege konnten wir einen negativen Einfluss ausmachen“, betont Dr. Dienlin. „Aber wir haben durch die Nutzung sozialer Netzwerke einen leichten positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit festgestellt – ein Effekt, der nicht mal beim persönlichen Gespräch zu erkennen ist.“

Da die Studie im Längsschnitt angelegt wurde, also über zwei Messzeitpunkte verfügt, können die Forscher sogar Aussagen über die Kausalität zu treffen: „Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Kommunikation die Lebenszufriedenheit erhöht – denn den gegenteiligen Effekt, dass zufriedene Menschen später auch mehr kommunizieren, konnten wir nicht finden.“

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